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Kategorie: Ausgabe 12. Januar 2015

„Einander gelten lassen“

Zur Jahreslosung 2015.

„Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob“  (Römer 15,7). Diese Worte aus dem Brief, den Paulus vor bald 2000 Jahren an die Christen in Rom geschrieben hat (Römerbrief Kapitel 15, Vers 7) sind die Jahreslosung für das neue Jahr 2015.  Ein Freund schrieb mir, ihn würde interessieren, wie ich dieses Wort in der Predigt auslegen werde. Er bemerkte noch: „Eigentlich ist das Thema ja ziemlich klar: als Unannehmbare angenommen zu sein. Wie sollte man dann andere (z.B. Flüchtlinge und andere Fremde) nicht annehmen?“  Ja, wenn das allen  so klar wäre. Es scheint alles andere als das zu sein, selbst unter Menschen, die es eigentlich wissen müssten, wenn sie schon das Kreuz vor sich her tragen.  Oder ist im „christlichen Abendland“ vergessen, dass es nur darum in Wahrheit  Kirche und Wort Gottes gibt, weil, wie es die Jahreslosung bezeugt,  „Christus uns angenommen hat“? Warum feierten wir denn Weihnachten, warum stehen  Ostern und Pfingsten in jedem Kalender?  Weil Gott  die Brücke zu uns geschlagen hat, damit wir    b e i      i h m    wieder    z u     u n s  finden, zur Gemeinschaft und zum Miteinander, gerade in unserer  Verschiedenheit. Das alles ist Gottes Geschenk in Christus. Wohl bemerkt, in Jesus Christus!  Stünde dieser Name nicht hier, behielte doch wieder Abgrenzung das letzte Wort. Denn in Christus heißt: Alle, ohne Ausnahme, wirklich, denn  „Christus ist für alle gestorben, damit die Lebenden nicht länger nur für sich leben“ schreibt Paulus an anderer Stelle  (2 Kor 5, 15a).  Es eröffnet sich durch Jesus für alle Menschen eine neue Lebensperspektive,  von der der Apostel Johannes bezeugt: „Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben gekommen sind“ (1 Joh 3,14a.). Wo Menschen dieses Wissen haben, weil sie dem Wort Gottes glauben, werden sie sich auch in Liebe  ihren Mitmenschen zuwenden. „Eure Güte lasst kund sein    a l l e n    Menschen“ – das erwartet Paulus von Christen (Phil  4, 5a).  Geht das, geht das nicht doch auch beim besten Willen über unsere Kräfte und  wird sich daher als Illusion erweisen, wie jener „Kuss der ganzen Welt“?  Diese Frage ist berechtigt. Die Antwort liegt im Wort der Jahreslosung selber, denn es geht nicht um einen guten Rat und frommen Wunsch, sondern um eine Einladung zu einem Leben mit Christus. Davon ist Paulus schließlich ausgegangen, als er seinen Brief an die Römer schrieb. Diese Einladung will angenommen sein, eine Antwort wird erwartet. Das ist es, was ich auch meinem Freund schreiben werde und dann ist es keine Frage mehr, wie wir zu denen stehen, die unsere Hilfe brauchen, auch wenn sie anders sind, aber nicht nur deswegen, sondern um der Liebe Christi willen, die uns allen gleichermaßen gilt: Zu Gottes Lob. TR.