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Kategorie: Ausgabe 12. Januar 2015

Pegida

Einblick und Rückblick ins vorige Jahrhundert.

Mitorganisatorin und Pressesprecherin Katrin Oertel am 5. Januar 2015 in Dresden: So bezeichnet sie Politiker: „Volksverräter“. Die Presse  nennt sie „Lügenpresse“ gegen „nationale Interessen“. FA.Z. 07.01.215, Seite 2.

In diesen Tagen erleben wir „Pegida“, wo sich Menschen treffen, die meinen, ausgegrenzt, übersehen und zu kurz gekommen zu sein. All der Hass und die Beschimpfungen, die Verweigerung von Gespräch und, was das schlimmste ist, der Missbrauch des Kreuzes, der Kulturalismus dazu wird zu nichts Gutem führen. In der „Deutschen Gesellschaftsgeschichte 1914-1949“ von Hans-Ulrich Wehler fand ich traurige Parallelen dazu, wie sie in der republikfeindlichen Strömung des „Landvolks“, von der der Autor festhält: „Die Ziele und Forderungen des ‚Landvolks’ wurden zum ersten Mal massenwirksam auf großen Veranstaltungen verfochten, zu denen sich am 28. Januar 1928 in 17 Kreisstädten rund 140 000 Teilnehmer einfanden. Das war der Geburtstag der ‚Landvolk’-Bewegung als einer ‚destruktiven Form politischer Willensäußerung’. Weder eine Partei noch ein Interessenverband hatte diese Treffen organisiert, vielmehr nutzte ein kleines Netzwerk aufsässiger Bauern die latente Bereitschaft zu einem spontanen Aufbegehren, das an den späten APO-Stil erinnert. Der Protest dehnte sich schnell aus, die Mittel wurden aggressiv. […] Zahlreiche  Massenaufmärsche unter der schwarzen Fahne des Bauernkriegs zogen die Aufmerksamkeit ebenso auf sich wie der Aufruf zum Steuerstreik. […] Währenddessen steigerte die ‚Landvolk’-Redaktion ihre giftige Agitation gegen das ‚jüdische Aussaugungssystem’ mit seinen Parteien, Bonzen und Cliquen’, insbesondere gegen die SPD als ‚Partei des organisierten Landesverrats’. Ihm setze sie die Vision eines ‚besseren Dritten Reiches’ entgegen. Zusehends gewann der Protest eine systemsprengende Dimension. […] Tief gelagerte Ressentiments wurden erneut mobilisiert, hatte doch schon der Vorsitzende des ‚Rheinischen Bauernverbandes’, symptomatisch für die Grundstimmung seiner Klientel, den ‚größten Volksbetrug’ und ‚Schweinestall der deutschen Demokratie’ angeprangert. […]Tatsächlich aber bahnte sie auf längere Sicht den Weg für die radikale Hitler-Bewegung“ (336-338). TR.