< "Weihnachten 1988“
Kategorie: Ausgabe 19. Dezember 2013

Dr. Friedmar Peter, Tannenberg erzählt Erlebtes.

„De vortauschte Rossinich“

Mei Tante Elsa war e sparsame Fraa. Dos musst se aa sei, denn su viel Gald hatten se net und do hieß es hashalten dormit. Es gob epper net jeden Tog Fleesch ze Mittog, naa höchstens e mol sunntigs- und dann wur fei aa e paar mol dorvu gegassen. Waggeschmissen wur nischt bei meiner Tante, selbst aus Rastle hot se noch was gezaubert – und wenn e aa bluß e Röhrnkuchn oder es Breselgötzen war. Und zu Weihnachten gobs kaane setten grußen Puten oder fette Gäns wie heitzetog- Wie bei de meesten Leit wur zu Weihnachten e Kunikel geschlacht – dos war de Weihnachtsdelikatesse.
Aar dor Onkel Fritz hatt wieder sei Weihnachtshasel geschlacht und täts of dar en Seit vun Tisch ausschlachten und trenschiern. Of dor annern Seit war de Tante Elsa gerode fartig mit Keksle und Pfafferkuchn backen und tät – wie sis immer su macht – de letzten Rastle zusammewischen. Ümkkumme durf nischt bei dor Tante und su tät se die zusammengerafften Krümele und e gruße Rossinich in Mund neistecken. Doch plötzlich rannte se an de Goss und tät im weiten Bugn dos ganze Zeich wieder rausspucken. Irgend was vun de Rastle vum Tisch schien or net bekumme ze sei. Besorgt freechit dor Onkel Fritz: „Was haste dä mei Elsa, is dor wuhl net richtig schie?“ Vielleicht wärs besser gewasen or hätt net naagefreegt, denn se reagierit e bissel ärgerlich als se zu ne saat: „Ich kaa doch net wissen, dass du beim Ausschlachten vun dann Hos de Kunikelloberle ofn ganzen Tsch rüm straast. Ich dacht, es wär e Rossinich. Aber gut schmecken tunne die Kunikelloberle fei net - dos kaste mir gelaam.“

Seidem musst dor Onkel Fritz de Kunikeln im Waschhaus ausschlachten und de Tante Elsa kunnt in aller Ruh ihre Pfafferkuchn und Keksle backen, uhne dass ihr su e braunes rundes Ding in de Quar gerollt kam.

Ofn Weihnachtsmarkt
Vor e paar Gahrn hatt ich mich vun meiner Fraa überreden lässen mit ofn Annaberger Weihnachtsmarkt ze gieh. Aber ich gelaab, dos ward wuhl is letzte Mol gewasen sei. Mor fuhrn ofn Kätplatz und wollten mit dann kostenlosen Citybus ofn Makrtplatz fahrn. Noch 2o Minuten Warten sei mor lusgeloffen, um net völlig aazegefriern. De gruße Kirchgass nei war es e su glatt, dass mirs e paar mol de Baa wag zieh wollt. Außerdem ging e eisiger Wind, dass en richtig de Luft naahm und es Gefühl in beede Ohrn sich langsam aber stetig verabschiedete. Doch dar Aablick vun die vieln Lichter ofn Marktplatz ließ alle Aastreninginge schnell vorgassen. Als mor durch dos gruße Eingangstor ginge, sooch ich als arschtes e Schlang Leit an dor Waffelbud stieh und asugerachent e su e Waffel wollt is Enkele hom. 20 Minuten hot sich mei Fraa aagestellt, ehe se sette gefüllt Waffeln orstanden hatt. Doch schie beim arschten Neibeißen quoll mir de Füllung hübn und drübn raus und triefit runter of men neie Ladermantel und de Schuh. De Händ warn klabrig, als hätt mor en Liter Zuckerwasser drüber geschütt. In dar Stimmung kam noch e alter Schulfreind vorbei, dar mir zu vorstieh gab, dass or mich bal net orkannt hätt, su alt wär ich wurn und su gut genährt – und dos, wo ich gerode dorbei war die gruße Waffel neizedrehe. Dorweile bracht mei Fraa noch e Brotwurscht, um dorham is Abndbrot ze sparn. Aber schie beim arschten Neibeißen markit ich, dass ich mir de Zung vornbrannt hatt und hinterhaar tät jeder Bissen um so mehr wieh. Aus de Lautsprecher tönte es: Laßt uns frohlocken zur Weihnachtszeit…“ Frohlockt hob ich schie, aber arscht wu ich wieder dorham of men Sofa soß, meine klabrigen Händ untern Wasser oospüln kunnt und de Zung mit en grußen Eiswürfel kühln tät. Wißt ihr, kaane zah Pfaar brenge mich me f dann Weihnachtsmarkt und sollt mich mei Fraa wieder ml rüm kriegn , dann aß und trink ich dorham arscht e moil was und lach über de annern, die sich de Händ klabrig machen und de Gusch vorbrenne.