< „Die Zukunft der Kirche ist freikirchlich.“
Kategorie: Ausgabe 19. Dezember 2013

MARTIN LUTHER, Rebell in einer Zeit des Umbruchs

Heinz Schilling legt bemerkenswertes Luther-Buch vor.

In 2. Auflage - innerhalb der Jubiläums-Edition 2013 des C. H. Beck Verlags liegt ein neues Luther-Buch vor. Der Verfasser, Heinz Schilling ist em. Prof. für Europäische Geschichte der frühen Neuzeit an der Humboldt-Universität zu Berlin.
Schilling setzt mit einem Zitat aus dem „West-östlichen Divan“ ein, in dm Goethe Epochen, „in welchen der Glaube herrscht“ als glänzend, herzerhebend und fruchtbar für Mitwelt und Nachwelt“ bezeichnet, eine Überzeugung, die heute abhanden gekommen ist. Das gilt aber nicht für Heinz Schilling, der von Luther sagen kann: „Erst Luther brachte den sicheren Anker einer Religion, die jeder Mensch als seine ureigene Sache begreifen konnte“.
Im ersten Teil der Biografie wird eine differenzierende Skizze der welt- und europapolitischen Entwicklungen dargeboten, die Verhältnisse in Luthers Elternhaus geschildert, die Jugendjahre bis zum Einritt Luthers in Augustinerkloster. Teil umfasst die Zeit von 1511-1525. Durch die Begegnung mit dem Evangelium als der freimachenden Botschaft ändert Luther die Schreibweise seines Namens von bis dahin LUDER in LUTHER. Luther erfuhr sich als ELEUTHERIOS, der Freie, der Befreite und zugleich als der, der als Zeuge dieser Freiheit anderen verpflichtet war. Schilling bemerkt: „Die neu gewonnene Gottesbeziehung machte ihn zu einem neuen Menschen, der sich in einem emphatischen Sinne frei fühlte.“ Im dritten Teil, der die Jahre von 1525-1546 umfasst, ist dem „späten“ Luther gewidmet und bietet einen faszinierenden Einblick in den Kampf um das Evangelium, die christliche Gemeine (Kirche) und die Erneuerung der Gesellschaft, zu dem sich Luther und seine Mitstreiter berufen wussten, aber auch in Verwicklungen, wie die verhängnisvolle Freigabe der Zweitehe des Landgrafen Philipp von Hessen. „Die Juden – der lebensweltliche Hintergrund“ zeigt Luther in der Auseinandersetzung mit den Juden. „Wer Luther zum Vorfahren Hitlers erklärt, lenkt von entschieden den kulturellen, politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen ab, die zwischen Reformation und Nationalsozialismus liegen und für die andere als der Reformator die Verantwortung tragen. Dass Luther selbst von Kaiser Karl V. geachtet wurde, obwohl dieser Luther in Acht und Bann getan hatte, zeigt die Tatsache, das der Kaiser nicht bereit war, als er 1547 an Grab Luthers in der Wittenberger Schlosskirche stand, dem Drängen seiner Berater zu folgen, die Luthers Gebeine verbrennen wollten.
Im Blick auf das Jahr 2017 eine unverzichtbare Lektüre. TR