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Kategorie: Ausgabe 30. August 2013

Gebet und Gewissheit

Adolf Schlatter wusste darum.

"Gott rettet dadurch, dass er Erkenntnis der Wahrheit gibt. Die Menschen,  für die die Gemeinde zu beten hatte, waren in dunkle Gedanken gehüllt, trieben Götzendienst, kannten Jesus nicht und lebten in blinder Selbsttäuschung über sich selbst und ihr Tun. Die Gemeinde darf dennoch für sie beten. Denn Gott will sie nicht in der Blindheit festhalten und begraben. Er ist der Schöpfer der Wahrheit, ihr Freund, ihr Beschützer; alle will er zu ihr führen und allen das Auge verleihen, das ihn erkennt. Das dürfen wir als das gewiss, einst vollkommen erreihte Ziel festhalten, dass alle Knie sich vor Gott beugen (Phil. 2,10) und alle Geister, die er schuf, ihn kennen werden. Die Sonne vertreibt einst jede Nacht des Wahns. Darin, dass die Wahrheit zu allen kommen wird, werden alle erleben, dass Gott auch für sie der Gute ist. Und doch bleibt der tiefe Ernst der Drohung, die auf das Verderben zeigt, in Kraft; denn es gibt eine Erkenntnis der Wahrheit, die den Menschen richtet und seine Schuld offenbart.  Wie aber Gott seinen Heilandswillen für alle und sein richterliches Walten an jedem zu vollen, klaren Einheit einer lauteren Gerechtigkeit verbindet, das ist das Geheimnis seiner Regierung, das keiner durchschaut, nicht einmal im Rückblick auf den eigenen Lebensgang. Wie immer, so ist auch hier dem Gebet eine für uns nicht aufhebbare Begrenzung unseres Wissens gesetzt. Des gnädigen Willens Gottes sind wir für alle gewiss; wie er ihn ausführt und mit welchem Erfolg, müssen wir in seine Hände legen. Zum Gebet brauchen wir nicht die vollendete Gewissheit, die Gottes Gedanken vollständig erfasst, sondern nur die Gewissheit, dass unser Wille mit dem Willen Gottes übereinstimmt, und diese haben wir, einerlei, welcher Mensch es sei, für dessen Heil wir beten." (Erläuterungen zum NT, Band 8, 138)