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Kategorie: Ausgabe 30. August 2013

Zum Schuljahresbeginn am 26. August 2013

Ein Wort zur Erinnerung an und von Adolf Schlatter aus den Berner Reden über das Gebet 1886

„Dass die Liebe, die wir selbst haben und erfahren, Glaubenskraft erzeugt und erhält, das ist auch für unsere eigene Pädagogik ein wichtiger Satz.  Wir können die Menschen nicht direkt zum Glauben führen, aber indirekt; wie, das zeigt uns eben hier der Herr. Dem Kind, das in seinem Vater wirklich den Vater fand, ist eben damit der Weg zu Gott aufgetan. Wenn es aber im Vater auf den Hohn der grausamen Härte stößt und den Stein empfängt, statt des Brotes, wie soll es noch an Güte glauben können? Härte verhärtet; Herzlosigkeit erzeugt Herzlosigkeit. In einem Schultreiben, das der Liebe entbehrt, hat auch kein Glaube Raum. Unsere gebetslosen Kollegen befinden sich oft in einer seltsamen Illusion; sie sagen uns: wir predigen keinen Atheismus in der Schule und enthalten uns jeder irreligiösen Äußerung; warum seid ihr nicht zufrieden? Was hilft uns das wenn ihr zwar nichts Gottloses sagt, aber die Kinder gottlos macht? Das fromme oder gottlose Wort tut es nicht allein.
Schon dies, dass wir unserem jungen Volk Liebe bieten müssen, macht es unzweifelhaft, dass unser Beruf uns zum Beten treibt. Wo wollen wir unsere Liebe nähren, wenn nicht an Gottes Liebe? Und wer kennt die Liebe Gottes und betet nicht? Für uns Lehrer hängen die beiden Glieder des Spruches ora et labora untrennbar zusammen. Wer aber spricht: beten will ich nicht, der wird auch sagen: dienen mag ich nicht.“ (Adolf Schlatter, Die Gründe der christlichen Gewissheit…, TVG Brunnen, 78.)