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Kategorie: Ausgabe 12. Februar 2015

Leben mit Limits

Nicht nur ein Nebengedanke zur Jahreslosung 2015: „Nehmt einander an, wie Christus uns (euch) angenommen hat zu Gottes Lob.“ Römer 15, 7

Anders geht es nicht. Jedem Menschen sind Grenzen gesetzt. Das mag banal klingen. Aber so ist nun mal die Realität.  Dahinter können wir nicht zurück. Alles hat seine Zeit.  Daran ändert auch der Wunsch Friedrich Nietzsches  („Also sprach Zarathustra“) nichts: „Doch alle Lust will Ewigkeit – will tiefe, tiefe Ewigkeit.“ Wie kaum ein anderer Mensch ist der Philosoph gegen die den Menschen gesetzten Grenzen angerannt  und hat seine Seele, sein Leben, dabei so schwer verletzt, dass es zum Erbarmen ist.  Da wir alle, ohne Ausnahme, immer wieder an unsere Grenzen stoßen und bewusst oder unbewusst auch dagegen angehen, tragen wir  Verletzungen mit uns. Als ich mich einmal kritisch über eine Lebenssituation äußerte, die freilich lange zurück lag, meinte mein Gesprächspartner: „Das muss Dich aber tief verletzt haben, wenn Du noch jetzt darüber redest.“ Dieser Hinweis hat mich geärgert, ich wollte ja nur etwas auch der Vergangenheit erzählen, von dem ich mir sicher war, dass es nur noch eine Geschichte ist.  Ich fühlte mich missverstanden.  Aber da war eben doch noch ein wunder Punkt, den ich nicht wegschieben kann, eine Erfahrung, die zu meinem Leben gehört.  Mehr und mehr lerne ich, dass ich mit Limits leben muss und   k a n n.   Grenzen, die mir gesetzt sind, entlasten mich  sogar.  Ich muss nicht alles selber können und schaffen. Ich darf auf Hilfe angewiesen sein, Hilfe annehmen  und Hilfe leisten. Ich werde durch die Gaben anderer beschenkt  und kann  meine ebenso einbringen.  Von Gottes Wort lasse ich mir sagen, dass er mich  mit meinen Grenzen bejaht, ja, dass er  mich selber so geschaffen hat und führt, auch wenn ich da manches gerne anders hätte.  Ich bin ihm recht und das macht aus den Limits ein schützendes Geländer, das vor dem Absturz in Hochmut bewahrt. Die Freiheit, die Christus schenkt, befreit mich davon, mich selbst  und andere ständig zu überfordern und aus dem Leben eine Hetzjagd zu machen. Dass ich Gott recht bin,   macht mich solidarisch mit allen Menschen, denn ich weiß mich als ein Sünder wie alle anderen und muss mir nicht anmaßen, über andere nach dem Augenschein zu urteilen, nach ihren Leistungen oder Fehlleistungen. Dass ich Gott recht bin, verdanke ich allein seiner Hingabe und der Macht seiner Liebe. Er schenkt mir damit die Freiheit zur Hingabe, nicht bloß der Habe. Und nun zitiere ich einen Christen, der es bewährt hat: „Hingabe  … nicht bloß der Habe, wenn es sein muss, sondern auch des Lebens. Er macht frei von dem heutigen Grunddogma, dass das eigene Leben der Güter höchstes ist.“
Ohne Limits, grenzenlos:  „Grenzenloses Wachstum“, „grenzenloser Fortschritt“, „grenzenlose Freiheit“; grenzenloser Reichtum   - dass das nicht funktionieren kann, wissen wir längst. Ob wir es auch wahrhaben wollen?  Warum nicht? Leben mit Limits heißt doch nicht Lebensverlust, sondern Annahme des Lebens, das uns Gott gegeben hat und erhalten will.  Auch und gerade an unseren Grenzen, weil er sie überschreitet, um zu uns zu kommen.  In Jesus hat er diesen Schritt getan – auf Dich und mich zu. Merken wir es? Gerade in Grenzsituationen, so haben es mir nicht wenige Menschen bezeugt, sei ihnen das zum ersten Mal in ihrem Leben deutlich geworden. Ich wünsche es mir und Ihnen aber nicht erst da, sondern schon mitten im Leben – und auch inmitten der christlichen Gemeinde, wenn wir – begnadigte  Sünder – uns schwer miteinander tun, wir, die Christus doch angenommen hat. TR